Les Crepuscules 2006

 
zur Ausstellung Hundsleben in der Galerie Eboran 2007 text: Stefanie GrünangerlLes crépuscules (dt.: (Abend)Dämmerung, Dämmerlicht; aber auch: Untergang, Vergehen) treten in einer Gruppe von etwa sechzig Tieren – diesmal in Weiß und aus Ton – in der Finsternis auf, nur durch ein rotierendes Warnlicht beleuchtet. Wiederum sind sie in unterschiedlichster Körperhaltung und bei verschiedensten Tätigkeiten zu sehen: stehend, sitzend, liegend, sich streckend, bellend, spielend, wachend, sich neugierig umschauend etc. Die kleinen, comicartigen Hunde wirken in ihren Bewegungsabläufen wie erstarrt. Ihre Schatten streifen hingegen konstant über die Wände des Ausstellungsraumes, machen sich selbstständig und verursachen bei uns Betrachtenden leichtes Unbehagen.

Jedes Tier für sich genommen, könnte man ihnen Attribute wie liebenswert, drollig, zutraulich zuweisen. Doch durch ihr Auftreten im Rudel und zumal sie über ihren Namen und das sich zwar ständig drehende, aber den Raum nie wirklich ausleuchtende Licht erst in der hereinbrechenden Dunkelheit aktiv werden, bekommen sie in ihrer Ambivalenz aus erstarrtem Körper und beweglichen Schatten einen fast bedrohlichen Zug, etwas Beklemmendes. Die Tiere entwickeln ein seltsames Eigenleben, nicht als einzelnes Tier, sondern als Mitglied eines aufgrund seiner Größe imposanten Rudels, das beständig weiter zu wachsen scheint, bis seine Mitglieder schließlich überall sind und uns durch ihr stilles Auftauchen wiederum ein banges Abwarten abverlangen: Sind diese Hunde hier ausgesetzt, sich selbst überlassen? Warten sie auf irgendetwas? Oder haben sie sich bereits formiert und durchstreifen nun den Raum? Wonach suchen sie?