Explodog 2006



zur Ausstellung Hundsleben Galerie Eboran 2007 text: Stefanie Grünangerl

Etwas Unheimliches ist trotz oder gerade wegen ihrer Verspieltheit, manchmal direkten Fröhlichkeit und anfänglichen Unbekümmertheit in den Arbeiten Birgit Pleschbergers allgegenwärtig. Denn mitunter entsteht das Gefühl des Unheimlichen gerade dann, wenn das allzu Vertrauenserweckende und vermeintlich Harmlose den Erwartungen, die man an es stellt, zuwiderläuft, diese ins Groteske verzerrt.

Versuchsanordnungen

Aus schwarzem, glänzendem Plastilin geformte Hunde wirken zuerst wie die Protagonisten eines Animationsfilms: kindlich verspielt, in ihrer Physiognomie vereinfacht, aber dennoch klar als Hunde erkennbar. Fast erwartet man, dass sie sich zu bewegen beginnen, um uns eine mehr oder weniger lustige Geschichte zu erzählen. Und tatsächlich: ihre Körper blähen sich auf, so dass die Haut schließlich aufbricht, Luftballone aus ihrem Inneren herauswachsen, um ebenso zu zerplatzen, wie bereits der Hund zuvor, oder in sich zusammenzusinken und damit die Bewegung der eingefallenen Körperhülle nachvollziehen. Erst kurz vor ihrer Explosion beginnen die Hunde der explodog-Serie lebendig zu werden: Atembewegungen werden noch durch den fauchenden, manchmal winselnden Ton des Blasebalgs verstärkt, der anschwellende Kopf und Bauch setzen auch den restlichen Körper in Bewegung, manchmal erst so richtig, nachdem ein Teil des Körpers bereits aufgeplatzt, der Ballon explodiert ist.

Schon der Hintergrund, vor dem diese kleinen schwarzen Hunde platziert sind, stört die Illusion einer harmlosen Trickfilm-Geschichte: die sieben nebeneinander geschalteten Videos zeigen sie in einer perfekt weißen, fast sterilen Umgebung stehend, sitzend, liegend, mit Schläuchen, die zu ihren Körpern führen. Die fixe Kameraposition verstärkt den Eindruck noch, dass es sich hier um ein standardisiertes Verfahren handeln könnte, zur Messung irgendwelcher Werte. Ein wiederholbares und zugleich abwandelbares Experiment, um zu „gültigen Aussagen” über den Einfluss verschiedenster Faktoren (Druck, Oberflächenbeschaffenheit, Körperhaltung) auf das „Endergebnis” zu gelangen. Der jedem Video eigene Ton unterstützt das Setting einer Versuchsanordnung noch, über Geräusche wie ohrenbetäubendes Pfeifen und wiederkehrendes Knacken, die an Apparaturen des Messens, Kontrollierens und auch Induzierens von Kräften erinnern. Bisweilen ist der Ton aber neben den Spiegelungen auf der glänzenden Oberfläche der sich aufblähenden Luftballone und den immer wieder bemerkbaren Zeitlupen, Unschärfen und Bildsprüngen ein Element, das die saubere und kontrollierte Atmosphäre der Versuchsanordnung durchbricht. In der Parallelität der Abspielsituation durchmischen sich die einzelnen Tonspuren, werden zur (unheimlichen) Geräuschkulisse.

Das Schicksal der kleinen, zuerst lieblichen, verspielten Hunde sorgt für Beunruhigung, allerdings wäre es zu pathetisch hier von einem Todeskampf zu sprechen. Denn unser Interesse an diesen Videos birgt durchaus auch ein lustvolles, erforschendes, von Neugierde und Experimentierlaune getriebenes Moment in sich. Eine befremdliche Faszination entsteht: banges, teils furchtsames Warten auf die Explosion, andererseits ein dem Augenblick des Aufbrechens, Aufplatzens, Zerplatzens entgegenfieberndes Beobachten der Abläufe, bis hin zum langsam in sich zusammensinkenden Hundekörper, wozu uns die noch lange nach der letzten Explosion weiterfilmende Kamera ausreichend Gelegenheit gibt. Die Beobachtung ist hier nicht nur eine rein registrierende, wissenschaftlich-distanzierte, sondern zugleich eine die unterschiedlichsten Emotionen provozierende, mithin äußerst zwiespältige Angelegenheit.